Die Brut der Anderen – Teil 2

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TEIL 2

  

DIE BRUT DER ANDEREN 

 

Autorin: Uta Allgaier    

  

Die Jahre gingen ins Land. Auch Kais Ex-Frau Marie fand eine neue Liebe: Bernd. Zusammen zogen sie nach Norderstedt, einem Ort nördlich von Hamburg,

25 Auto-Minuten von Kai und Claudia entfernt. Im Idealfall. Im schlechtesten Fall zwei Stunden. Dank der dauerverstopften Autobahn.

Die großen Kinder aus Kais erster Beziehung gingen weiter in Hamburg zur Schule. Im ersten Teil der Woche wohnten sie nun bei Kai und Claudia, im zweiten bei Marie und Bernd. Am Donnerstag holte ihre Mutter sie von der Schule in Hamburg ab, fuhr mit ihnen nach Norderstedt und chauffierte sie auch am Freitag von dort zur Schule und wieder zurück.

Dann wurde Greta geboren, das erste gemeinsame Kind von Marie und Bernd.

 

DAS MOBILE ZITTERT VOR EMPÖRUNG

Ein weiteres Element wurde in das Mobile der Patchwork-Familie geknüpft, das Gleichgewicht neu austariert. Bis zu dem Tag, an dem Claudia merkte, dass ihr der Faden reift, wenn sie nicht etwas ändert.

Der Anlass schien banal. Jakob, zu dem Zeitpunkt 14 Jahre alt, sollte wegen seines Fußballtrainings eine Nacht länger bei Claudia und Kai in Hamburg schlafen.

Bis dahin habe sie sich den Vereinbarungen von Marie und Kai meistens gefügt, erzählt Claudia. »Ich wusste, ich bin die Letzte in der Reihe der Absprachen.

Ich muss damit klarkommen.« Aber als eine Jakob-Übernachtung zusätzlich vereinbart wurde, sagte Claudia: »Jetzt ist Schluss!« Der Freitag war ihr immer heilig. Da hatte sie ihre kleine Kernfamilie für sich, nur Tom und Kai und sie. Wenn Jakob aber in der Nacht vorher noch bei ihnen übernachten würde, dann wäre der Freitag doch wieder zerrissen. »Das war der Punkt, da habe ich gemerkt: Ich kann nicht mehr.« Claudia sagte Nein zu der geplanten Veränderung.
Das Mobile zitterte vor Empörung.
Und dann saßen alle an einem großen Tisch: Claudia, Kai, Marie, Bernd und die großen Kinder Smilla und Jakob. Claudia schlug das Herz bis zum Hals und trotzdem sagte sie den Satz, den sie so fürchtete: »Freitags will ich meine Familie für mich haben.« - »Meine Familie« Da war erst einmal Stille.
Smilla fragte: »Was ist denn so schlimm daran, wenn wir freitags auch kommen?« Wieder Stille. Und dann setzte die damals 16-Jährige nach und sagte: »Du liebst Tom mehr als uns.«

»Ja«, sagte Claudia, »anders.« Und schaute Smilla direkt in die Augen. Sie holte tief Luft: »Liebst du Mama nicht auch anders als mich?« Smilla nickte. »Tränen flossen«, erinnert sich Claudia, »ich glaube, auch bei den anderen.« 

 

Das Gespräch teilte die Geschichte dieser Familie in ein »Davor« und ein »Danach«. »Danach« war besser. »In Patchwork-Familien«, sagt Claudia, »ist es besonders wichtig, dass wir den Mut finden, uns so zu zeigen, wie wir sind. Nur so kann jeder seine persönlichen Grenzen und die der anderen kennenlernen. Dann kann eine gleichwürdige Gemeinschaft entstehen.«

 

Als die 18-jährige Smilla eine Au-pair-Stelle in Übersee gefunden hatte und Claudia bewusst wurde, dass sie bald für ein ganzes Jahr weg sein würde, »schossen mir die Tränen waagerecht aus den Augen«.

Da merkte sie: »Zwischen den geschenkten und den eigenen Kindern ist für mich kein Unterschied mehr.«

 

 

Warum diese Geschichte, das "Danach" besser gemacht hat, lest ihr in meinem nächsten Blog-Artikel.

 

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