17. Juli 2019
Unser Gespräch mit allen Patchworkfamilienmitgliedern hat vor allen Dingen eines bewirkt: Mehr Offenheit! Eine neue und offene Ehrlichkeit hatte hier ihre Geburtsstunde. Nachdem ich Smilla gebeichtet hatte – genauso fühlte es sich an – dass ich den Freitag alleine mit "meiner Kernfamilie" brauche, um samstags wieder für meine große Patchworkfamilie da sein zu können, meldete sich Bernd zu Wort: "Ich finde das ganz schön mutig von Dir das so auszusprechen!

09. Juli 2019
Die Jahre gingen ins Land. Auch Kais Ex-Frau Marie fand eine neue Liebe: Bernd. Zusammen zogen sie nach Norderstedt, einem Ort nördlich von Hamburg, 25 Auto-Minuten von Kai und Claudia entfernt. Im Idealfall. Im schlechtesten Fall zwei Stunden.

02. Juli 2019
Vor 17 Jahren verliebte ich mich in meinen Mann. Er kam aus Hamburg und lebte seit drei Monaten von seiner Partnerin Marie getrennt. Mit Marie hatte er Smilla und Jakob bekommen, zum Zeitpunkt der Trennung dreieinhalb und eineinhalb Jahre alt. Als ich von Karlsruhe zu ihm nach Hamburg zog, wurde ich nicht nur seine Lebensgefährtin, sondern auch für dreieinhalb Tage in der Woche die Ersatzmama für seine beiden Kinder.

24. Juni 2019
Der Beifang war nicht leicht zu verdauen. In mir schrie es nach Anerkennung für all' die Last, die mein Mann in Form seines alten Lebens im Gepäck hatte. Wie einfach wäre es doch, wenn nur er und ich bestimmen könnten. Nicht gleich s o v i e l Veränderung, Alltag und Versorgung im Mittelpunkt stehen würden. Ich war über Nacht Mutter von zwei kleinen Kindern geworden und ich hatte Glück, sie mochten mich und ich mochte sie, soweit so gut!

16. Juni 2019
Wenn ich in nach dem Kochen doch mal an der Spüle stand und fettige Pfannen ins heiße Wasser tauchte, während sich der Rest der Familie verzog, ließ der alte Groll nicht lange auf sich warten. Wie ein alter Kampfhund fletschte er sabbernd die Zähne.

03. Juni 2019
Was wollte ich wirklich? Klar hatte ich eine Endlosliste, die ich nachts um drei auswendig aufsagen konnte mit Dingen die ich gerne hätte: Längere Wimpern, neue Schuhe, eine Reise auf die Lakkadiven, reiche Eltern oder wenigstens Schwiegereltern etc.. Aber was will ich wirklich? Was brauche ich? Wo kann ich einen Teil von mir nicht leben und was nährt mich?

30. Mai 2019
"Was du kaust oder nicht kaust, entscheidest alleine du!" sagte meine Therapeutin "Das liegt in deinem ganz persönlichen Verantwortungsbereich." Glück gehabt!

22. Mai 2019
Nun kochte mein Mann wieder regelmäßig und ging auch einkaufen. Ich bereitete das Abendessen nur noch zu, wenn ich es wollte und explizit zuvor ankündigte. Man könnte meinen, dass jetzt alles gut war… doch weit gefehlt! Ich kritisierte ständig seine eingekaufte Ware und befand seine Speisenauswahl für zu ungesund. Objektiv betrachtet hatte ich natürlich recht! Zumindest aus ernährungswissenschaftlicher Sicht. In unserer Beziehung entfernten wir uns jedoch mit jedem Schlagabtausch voneinander.

16. Mai 2019
Als ich bei meinem Mann und seinen Kindern einzog, waren die Beiden noch recht klein, zwei und vier Jahre alt. Alle drei verstanden aber bereits schon viel von schlechter Ernährung. Zur gemeinsamen Mahlzeit am Abend wurden vorzugsweise Spaghetti mit Ketchup serviert. Mein Mann fand das praktisch und die Kleinen fanden es lecker! Ich fand: "Wenn der so weiter macht, kriegen die Skorbut!"